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Der Posaunenchor im CVJM (1922-1997)

Über eine Gruppe "Posaunenchor" ist im Protokollbuch nichts zu lesen. Aus den Aufzeichnungen geht lediglich hervor (wie bereits erwähnt), dass man 1923 zur Weihnachtsfeier und zur Einweihung des Kriegerdenkmals mit "Musik" dabei war.

In diesen Zeiten der 20er Jahre war es schwer, Posaunen anzuschaffen. Es konnte nur immer wieder ein Instrument gekauft werden. Es waren wohl Bläser da, aber wenige Posaunen. Wie es um die finanzielle Lage stand, geht aus dem Protokoll von 1923 hervor, wonach die Mitgliedsbeiträge von 2000 Mark auf 5000 Mark erhöht wurden.

Wilhelm Bäuerle, Mitbegründer und erster Schriftführer des CVJM, hat anlässlich des 40jährigen Jubiläums am 27.05.1962 dazu u. a. vorgetragen: Dankbar möchten wir auch unseres langjährigen Leiters des Posaunenchors gedenken. Auch gedenken wir an die treuen Freunde, die durch den Krieg von uns genommen wurden. Herzlich danken möchten wir den Herren Pfarrern, die in den 40 Jahren bei uns waren, für ihre treue Mitarbeit. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch herzlichen Dank sagen den Gemeindegliedern, die uns unterstützten, denn ohne die großen Spenden wäre es nicht möglich gewesen, so schöne Posaunen zu kaufen. Auch allen, die zum Gelingen dieses Tages sich zur Verfügung stellten, sei nochmals herzlich gedankt. Es wäre nun unser Wunsch, dass wir alle, wie wir hier sind, einmal dabei sein dürfen, wenn einst die Posaune erklingt, die auch durch die Gräber dringt.

Das Dritte Reich und der Krieg riss natürlich auch im Posaunenchor tiefe Wunden. Man musste der Reichsmusikkammer beitreten. Hermann Mühleisen schickte am 29. Mai 1940 den Ausweis, der folgendes zum Inhalt hatte:
Weder aus dem Protokollbuch, noch aus anderen Aufzeichnungen geht hervor, wer den Posaunenchor in den Anfangszeiten geleitet hat. Fest steht jedoch, dass Christian Bahnmeier, der Vater unseres langjährigen Mitglieds und Tiefbassbläsers Albert Bahnmeier, lange Zeit Chorleiter war.

Die wöchentlichen Chorproben fanden im "Alten Kinderschüle" statt; öfter probte man auch zusammen mit den Nachbarposaunenchören. Oft spielte man bestimmt auch ohne Dirigenten. Und dass aller Anfang schwer war und dabei Mensch und Tier litten, kann man sich ja gut vorstellen.

AUS DEM REMSTAL WURDE FOLGENDES ERZÄHLT:
Ein Posaunenchor wurde gegründet, fand aber für die Übungsstunden keinen geeigneten Raum. Ein Gemeindehaus gab es noch nicht, in die Kirche konnte man nicht, also zog man zum Mesner in die Scheuer. Nach einiger Zeit erzählte die Mesnerin: Seit der Chor bei ons übt, hemmer koine Meis ond Radda me. " Tags darauf kommt die Babette zum Gottlob, dem Chorleiter, und meint. "Du, Gottlob. Kennet ihr bei ons au a moi blasa Worom -,Ja woisch, mir hend au Radda. "

Nach dem Krieg waren nicht mehr viele Bläser übrig. Es war in erster Linie Otto Übele, der den Posaunenchor zu neuem Leben erweckte. Junge Leute kamen dazu; einige sind heute noch dabei. Viele, die das Blasen erlernt hatten, sind aber wieder weggeblieben. Trotzdem ist es möglich, dass Junge, Alte, Originale und Unauffällige, egal aus welchen beruflichen Schichten, gemeinsam musizieren. Alle verbindet das Ziel, mit ihrem Instrument das Lob Gottes hinauszublasen und die frohe Botschaft von Jesus Christus bei den Menschen bekannt zu machen. Wichtig ist und war immer der Dienst in der Gemeinde: bei Gottesdiensten, zu Geburtstagen, bei Kranken und Alten.

In der Nachkriegszeit wurde eine Neueinteilung der Kirchenbezirke vorgenommen. Damit änderte sich auch die Zugehörigkeit der CVJM-Arbeit und der Posaunenchöre. Für die Bläserarbeit im neuen Bezirk Backnang war damals Karl Lörcher zuständig. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass wir uns im neuen Bezirk nicht wohl fühlten. Der Posaunenchor schloss sich wieder dem Bezirk Marbach an, dem wir auch heute noch angehören. Der damalige Bezirkschorleiter Wilhelm Schenk gab unserem Chor viele Impulse.

Am 27. Mai 1962 wurde das 40jährige Jubiläum gefeiert. Landesposaunenwart Hermann Mühleisen dirigierte den Bezirkschor. Pfarrer Thibaut, einst Pfarrer in Kleinaspach, hielt beim Vormittagsgottesdienst die Predigt. Bei der Festfeier am Nachmittag hielt der damalige Leiter des Evang. Jungmännerwerkes, Pfarrer Theo Sorg -heute Landesbischof i. R.- die Ansprache.

Dass die Posaunenchöre kein humorloser Haufen sind, zeigt sich daran, dass die Geselligkeit nie zu kurz kam. Es wird folgende Begebenheit erzählt: So um Weihnachten herum brachte der Schwarza Karle Mehl für Weihnachtsgutsle zum Bäcker. Die fertigen Gutsle hat er aber net hoimbrocht. Seine Bläserfreunde hen ihm des Gschäft gspart - sie hent's glei gessa.

Die Idee für "a Festle" zum Jahreswechsel war geboren. Seither findet jedes Jahr um diese Zeit ein gemütlicher Abend statt.

Auch während der Proben gab's manches zum Lachen: Einmal hat sich der Albert mit seim Helikon furchtbar plogt, und der hat scho grandich werda kenna, wenn's net nach seim Willa ganga isch. Er hat ihn aber rauskriegt, den Putzlomba, den seine Mädie beim Baßputza vergessa hend. Hen mir glacht. Nach der Übungsstunde hat's sei kenna, mr hat no a bissie Schuamächeries gspielt. Dia Alte wissat, wias goht.

Auf dem Jahresprogramm standen auch Ausflüge, Weihnachtsfeiern oft mit einem Laienspiel - oder das legendäre Hüpfenklingenfestle.

Am 19.11.1972 wurde das 50jährige Bestehen gefeiert. Mit einem Festgottesdienst am Vormittag und einer Feierstunde am Abend wurde der Tag festlich begangen.

Für Otto Übele und den Posaunenchor war die "mühleiserne Ration" Anspruch und Ansporn: Tief Atem holen zum Blasen wie zum Glauben, sonst geht die Puste heute noch viel früher aus als in früheren Zeiten. Tief Atem holen aus der reinen Luft des Wortes Gottes, einsam und gemeinsam.

Im Jahre 1975 übernahm Werner Tränkle die Leitung des Posaunenchors. Er hatte vorher schon die Jungbläser betreut. Der Grundstein für eine erfolgreiche Posaunenarbeit war gelegt.

Aber wie im täglichen Leben ist Stillstand gleich Rückschritt. Neues wurde in Angriff genommen. Der jährlich stattfindende Bläsergottesdienst wurde eingeführt. Alte Musik wurde gepflegt, neue wurde erarbeitet und weiterentwickelt. Der Choral wird aber immer im Mittelpunkt sein. J. S. Bachs "Soli Deo Gloria" muss Bestandteil der Bläserarbeit bleiben. Dass die Bläserarbeit nicht leichter wird, soll nicht zur Resignation führen, sondern sie sollte uns immer wieder neu motivieren.

Am 23. Mai 1982 konnte das 60jährige Bestehen gefeiert werden. Die Backnanger Kreiszeitung berichtete von einer neuen Blütezeit des Vereins.

Der Festtag, an dem auch der Bezirksposaunentag des Bezirkes Marbach stattfand, begann mit einem Festgottesdienst, bei dem der damalige Prälat Theo Sorg die Festpredigt hielt. Die Hardtwaldhalle platzte aus allen Nähten. Mittags fand dann der CVJM-Nachmittag statt. Dieser Tag ist vielen heute noch in guter Erinnerung.

Wenn wir jetzt das 75jährige Jubiläum feiern dürfen, möchten wir das tun im Bewusstsein, dass es Gottes Führung und Gnade waren, die uns die Treue gehalten haben. Danke sagen möchten wir für die große Anerkennung und Unterstützung in der Gemeinde.

Martin Luther (187 3,4e) schreibt vom göttlichen Ursprung der Musik:
"Wer sich der Musik erschließt, hat ein himmlisch Gut gewonnen, denn ihr erster Ursprung ist von dem Himmel selbst genommen, weil die lieben Engelein selber Musikanten sein".

Vieles wird auch in Zukunft Stückwerk bleiben. Das sollte uns aber nicht hindern, freudig unseren Dienst im Posaunenchor zu tun.

Werner Tränkle
Ehemaliger Leiter des Posaunenchors

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