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Geschichte der Posaunenarbeit

Die Entstehung der Posaunenchöre geht in die Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die Anfänge des geistlichen Laienblasens liegen in Ostwestfalen. Dort liegt auch der Ort mit dem ältesten Posaunenchor Deutschlands, in dem auch im Jahr 1862 der erste Posaunentag mit 72 Bläsern gefeiert wurde. Im Jahr 1868 hatten sich bereits 150 Bläser beteiligt.

In Württemberg ist der erste Posaunenchor im Jahr 1881 in Reutlingen entstanden. Ein charakteristisches Merkmal der Posaunenarbeit in Württemberg ist, dass sie ausschließlich auf dem Boden christlicher Jungmännerarbeit entstanden und gewachsen ist. Etwa um die Jahrhundertwende waren es bereits 30 Chöre mit 300 Bläsern.

Als auf der Bundeskonferenz im Jahr 1900 beschlossen wurde, auch in Württemberg die von Pastor Johannes Kuhlo, dem "Posaunengeneral", wie er später genannt wurde, empfohlene einheitliche Schreib- und Griffweise einzufahren, ging es mit der Posaunenarbeit rasch voran. Bereits im Jahr 1901 konnte daher in Esslingen der 1. Bundesposaunentag gefeiert werden. In der Stadtkirche versammelten sich 170 Bläser und über 4000 Besucher.

Nachdem der 1. Weltkrieg die Posaunenarbeit in Württemberg weitgehend lahmgelegt hatte, erlebte sie in den darauffolgenden Jahren eine große Blütezeit. In diese Zeit fällt ja auch die Gründung des Posaunenchors Kleinaspach im Jahr 1922. Die Posaunenchöre wurden in dieser Zeit von dem Bundesdirigenten Luz geprägt. Er hat schon im Jahr 1926 auf die Bedeutung und Wichtigkeit der Bach-Choräle für die Posaunenarbeit hingewiesen.

Im Jahr 1929 begann die "Ära" Hermann Mühleisen. Mit welchem Humor er stets seine Aufgabe begleitete, zeigt die Antwort auf eine Gratulation zu seiner Ernennung zum Kirchenmusikdirektor: "Schale gilt nicht sondern Perle! Wichtig ist allein der Kerle!"

Welch schwierigen Zeiten er entgegen ging, zeigt folgende Begebenheit: Im Jahr 1935 war Hermann Mühleisen von der Polizei verwarnt worden, weil er das Posaunentagsplakat wie in anderen so auch in einem jüdischen Geschäft hatte aushängen lassen. Er musste das Plakat sofort wieder entfernen, sonst wäre der Landesposaunentag verboten worden. Nicht nur die Judenverfolgung hatte begonnen, sondern auch andere Verbote wurden erlassen. So hatte die Geheime Staatspolizei am 16. Juni 1937 verfügt: "Das Posaunenblasen der evangelischen Posaunenchöre auf öffentlichen Plätzen ist als öffentliche Veranstaltung i. S. der Verordnung des Württembergischen Innenministers zur Herstellung der Ruhe und Ordnung bei kirchlich-konfessionellen Veranstaltungen vom 21.6.1935 anzusehen und daher verboten".

Nach einer Übersicht aus dem Jahr 1938 existierten im Kirchenbezirk Marbach folgende Posaunenchöre: Marbach, Rielingshausen, Großbottwar, Mundelsheim, Oberstenfeld, Auenstein, Abstatt und Kleinaspach.

Vom ersten Landesposaunentag in Ulm 1946 berichtet Hermann Mühleisen: "Die Donaustadt lag in Trümmem, rings um das herrliche Münster ein einziges Ruinenfeld, der Chor des Münsters war verhängt, weil ihm eine Bombe eine tiefe geschlagen hatte, die Bläser teilweise noch in verschlissenen Heimkehrermännlein, aber überall frohe Menschen und leuchtende Augen, das war der äußere Rahmen jenes denkwürdigen ersten Ulmer Landesposaunentags am 2. Juni 1946. Zum ersten Mal klangen die Münsterglocken und der Schall der nahezu 2 000 Bläser zusammen." Das Letzte, auf was es in Ulm ankam, so schreibt Hermann Mühleisen weiter, war nicht, dass 2000 Musiker ein Konzert gaben, sondern dass da 2 000 bewusst evangelische Männer mit ihren Instrumenten bezeugten: "Jesus Christus herrscht als König' Dies war gleichzeitig das Motto dieses Landesposaunentags.

Mit das größte Verdienst von Hermann Mühleisen ist die regelmäßige Abhaltung der Landesposaunentage. Dabei sind Posaunentage nichts Neues. Schon in 4. Mose 29, Vers 1 lesen wir: "Und am 1. Tag des 7. Monats soll heilige Versammlung sein; keine Arbeit sollt ihr an diesem Tage tun; ein Tag des Posaunenblasens soll er für euch sein". Im Anschluss an den denkwürdigen 1. Landesposaunentag in Ulm schrieb Hermann Mühleisen: ."Als der letzte Ton verklungen war, da wussten wir, dass nur Ulm der Platz künftiger Landesposaunentage sein kann" ' Und so ist es bis heute geblieben. Mit Ausnahme des Jahres 1966, als das Ulmer Münster wegen Bauarbeiten nicht benützt werden konnte, finden die Landesposaunentage alle zwei Jahre in Ulm statt. Im Jahr 1996 konnte der 25. Landesposaunentag seit dem 2. Weltkrieg gefeiert werden. Mit welchen Problemen in früheren Jahren bei der Vorbereitung der Landesposaunentage gerechnet werden musste, zeigt eine Notiz von Hermann Mühleisen aus dem Jahr 1947: "Auf vielseitigen Wunsch unserer Landwirte werden wir den Sonntag, 16. Mai nehmen müssen, damit wir nicht in den Heuet hineinkommen." Weiter heißt es in dem Rundbrief vom Juli 1947: "Die Altpapieraktion der Posaunenbläser hat zu einem schönen Erfolg geführt, so dass der neue Sonderdruck papiermäßig so gut wie gesichert ist. Da wir aber beim nächsten Landesposaunentag auch Programme brauchen, möchte ich Euch bitten, weiter zu sammeln und mir zu schicken oder mitzuteilen, wo es abgeholt werden kann. Allen Chören, die uns darin bis jetzt so tatkräftig unterstützt haben, sei an dieser Stelle nochmals herzlicher Dank gesagt".

Vielen Posaunenbläsern, auch einigen aus Kleinaspach, ist sicherlich der Landesposaunentag 1968 noch in guter Erinnerung. Hermann Mühleisen übergab seinen Taktstock an seinen Nachfolger, Wilhelm Mergenthaler. Landeskirchenmusikdirektor Stern schreibt dazu: in der Geschichte der Ulmer Posaunentage ,spielt der diesjährige eine historische Rolle: Was mich im Höchstmaß erstaunte, war die Spannkraft und Vitalität, mit weicher der scheidende "Posaunengeneral" Mühleisen den Posaunentag 1968 durchstand.

Das Geheimnis seiner Persönlichkeit und Ausstrahlungskraft. Die Verbindung von Herzlichkeit mit männlicher Energie, von einem im Wort der Bibel begründeten Ernst mit einem herzerfrischenden Humor. Wer hätte ihm in Ulm den beginnenden Ruheständier" angesehen? Dem Nachfolger Wilhelm Mergenthaler galten die besten Wünsche für ein verantwortungsvolles, aber schönes Amt als neuer Landesposaunenwart in Württemberg".

Die steigende Zahl der Posaunenchöre und Bläser machte es notwendig, dass beim Evangelischen Jugendwerk weitere hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt wurden. So wurde Helmut Schweiker ab 1971 als 2. Posaunenreferent angestellt. Im Jahr 1983 wurde Erhard Frieß als 3. Posaunenreferent eingestellt mit dem Ziel, dass er Wilhelm Mergenthaler nach dessen altersbedingten Ausscheidens ablösen sollte. Seit 1985 ist nun Erhard Frieß der Landesposaunenwart in Württemberg.

Dass im zweijährigen Rhythmus die Landesposaunentage stattfinden können, ist besonders darauf zurückzuführen, dass viele Bläser die wöchentlichen Proben besuchen. Schon im Jahr 1934 schrieb Hermann Mühleisen: ,Wie oft erlebte ich es schon, dass die Frau dem Manne am Abend noch eine Arbeit abnahm, damit dieser für die Übungsstunde frei war".

An dieser Stelle sei ein besonderes Dankeschön an die Ehepartner gesagt, die über Jahrzehnte hinweg Verständnis dafür aufbringen, dass der Partner mal wieder "zum Blasen" geht.

Wie vielfältig diese Dienste sind, zeigt wiederum ein Zitat von Hermann Mühleisen:
"Die Möglichkeit zu echtem posaunenmissionarischem Dienst bietet sich jedem Chor an, dem es darum zu tun ist, dem gehetzten Menschen von heute in Erinnerung zu rufen, dass er zum ewigen Leben berufen ist und dass es tatsächlich etwas gibt, was ihn die Angst vor der Zukunft vergessen lässt. Der Dienste sind gar mancherlei. Turmchoral, Choralblasen im Rundfunk, Kurrendeblasen auf den Straßen und Hinterhöfen unserer Großstädte, oft verbunden mit Bläsermission, Krankenhaus, Altenheim, Friedhof, Gefängnis und Ständchen aus vielerlei Anlässen. So ist Posaunenmission nicht nur Mission am jungen Mann, sondern stellt den Posaunenchor in seiner übervereinsmäßigen Weite mitten hinein in die großen volksmissionarischen Aufgaben an Kirche und Volk, und zwar in einer allen Kreisen der Gemeinde willkommenen Form".

Erinnern wir uns an die Aussage von Hermann Mühleisen: "Schale gilt nicht, sondern Perle, wichtig ist allein der Kerle" So hoffen und wünschen wir, dass auch künftig die Posaunenchöre in unserem Land ihren Dienst zum Lobe Gottes ausüben.

Lothar Übele
Mitglied im Posaunenchor

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